Für das Praktikum bezahlen – Wenn das Praktikum zum Luxus wird


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Unglaublich aber wahr: Wer in den USA ein Praktikum machen will, muss tief in die Tasche greifen. Ein Praktikum bei Versace oder einer renommierten Investmentbank? Wer bei einem schicken Luxuslabel oder einem erfolgreichen Hedge-Fond einen Praktikumsplatz ergattern will, muss hierfür bezahlen. Bis zu 5 000 Dollar kostet ein Praktikumsplatz im Hauptsitz eines Designerlabels in New York. Mittlerweile ist das Versteigern von Praktika gegen Geld auch in Europa angekommen.

Um die 'Generation Praktikum' ist in den letzten Jahren viel Wirbel gemacht worden. Junge, motivierte Hochschulabsolventen, die in Unternehmen von unbezahltem zu unbezahltem Praktikum gereicht werden, ohne eine Aussicht auf eine Festanstellung zu haben, sind in den Medien ins Gerede gekommen. Doch was jetzt aus den Vereinigten Staaten zu hören ist, dürfte selbst den abgehärtetsten Praktikanten aus den Socken hauen. Denn in den USA muss man jetzt dafür bezahlen, wenn man bei den angesehenen Modehäusern oder einer Investmentbank ein Praktikum machen will.

Die Modehäuser verteidigen diese Praxis damit, das Geld an wohltätige Zwecke zu spenden. Das ist sicher ein humaner Zug, ändert aber nichts an der Tatsache, dass bei den Designerlabels zukünftig wohl nur noch diejenigen ein Praktikum werden absolvieren können, die es sich leisten können.

Was als Variante sonderbarer kapitalistischer Auswüchse aus dem "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" exotisch daher kommen mag, ist mittlerweile auch in Europa eine durchaus übliche Praxis. In Großbritannien kann, wer will, Praktika gegen Geld ersteigern. Ein Praktikum in einer Investmentbank oder bei einer renommierten Zeitung geht hier schon für mehrere hundert Pfund unter den Hammer. Auch hier verteidigen die Veranstalter ihre Praxis damit, mit der Versteigerung von Praktikumsplätzen einen wohltätigen Zweck zu verfolgen. 

Der Charity-Gedanke verdeck jedoch die Tatsache, dass hier natürlich vor allem jene, mit den dicksten Portemonnaies, die attraktivsten Praktikumsplätzen absahnen. Denn Soziale Schwache fallen aus diesen System komplett raus. Dies ist unter sozialen Gesichtspunkten kritisch zu sehen, zumal Praktika bei angesehenen Unternehmen ohnehin im Ruch stehen, nur über die entsprechenden 'Kontakte' vergeben zu werden. Die Versteigerung von Praktika benachteiligt Studenten, die nicht aus wohlhabenden und gut vernetzten Elternhäusern kommen. Noch ist diese Praxis in Deutschland nicht angekommen – zum Glück.
von Linn N.