Die 5 größten Karriere-Mythen, die in den Mülleimer gehören


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Immer als Erster kommen und als Letzter gehen? Die Aufgaben anderer Kollegen übernehmen? Niemals vergessen, nach Feierabend stündlich E-Mails zu checken? Was genau muss man beherzigen, um erfolgreich Karriere machen zu können?

Das Einmaleins der Jobwelt gibt es so nicht. Zahlreiche Ratgeber mit vermeintlich hilfreichen Karriere-Tipps dafür wie Sand am Meer. Aber wie viel Nutzen steckt in all den Karriere-Tipps? Helfen Sie auch Berufseinsteigern weiter? Viele Absolventen legen großen Wert darauf, sich bestmöglich auf den Start ihrer beruflichen Laufbahn vorzubereiten. Doch nicht immer ist das strikte Einhalten sogenannter Karriere-Tipps der beste Weg. Hier erfährst du, welche dieser Tipps du getrost vergessen kannst, weil sie in der Praxis einfach nichts taugen. Sollte der Berufsstart noch in weiter Ferne liegen, so kannst du folgende Karriere-Tipps, die sich in Wahrheit als Karriere-Mythen entpuppen, schon mal für dein nächstes Praktikum im Hinterkopf behalten.

Die Top 5 Karriere-Mythen

1. Karriere-Mythos: Sei immer erreichbar

Der erste Karriere-Mythos betrifft ein ganz modernes Phänomen: Die ständige Erreichbarkeit. In Zeiten, in denen jeder Arbeitnehmer (oder auch Praktikant) über ein Smartphone verfügt, ist es keine Seltenheit, wenn auch nach Dienstschluss noch darüber kommuniziert wird. Aber der Austausch mit Kollegen ist keineswegs privater Natur. Nein, es dreht sich immer noch um die Arbeit. Gemeinsame Präsentationen werden durchgegangen, Verhandlungen mit Kunden vorbereitet und Vieles mehr. Auch die E-Mails werden mindestens einmal stündlich gecheckt. Für den Fall der Fälle, dass der Chef noch eine Frage hat oder noch eine dringende Aufgabe für den nächsten Tag in Auftrag gibt. Immer häufiger kursiert der Karriere-Tipp, dass man durch ständige Erreichbarkeit seine große Motivation und ein überdurchschnittliches Engagement unter Beweis stellt.

Das mag zwar sein, doch diese Dauerbelastung wird früher oder später negative Folgen haben. Wer sich nämlich selbst in seiner Freizeit mit beruflichen Dingen beschäftigt, kann keine klare Grenze mehr ziehen. Übermüdung, Produktivitätsverlust und Konzentrationsmangel während der Arbeitszeit sind die Folgen. Wer also erfolgreich Karriere machen möchte, sollte sich zwischendurch unbedingt auch mal eine Auszeit gönnen und das Smartphone aus der Hand legen.

2. Karriere-Mythos: Gib immer deine Zustimmung

An zweiter Stelle der Karriere-Mythen ist der Tipp, man solle sich immer an den Kollegen orientieren und nicht gegen den Strom schwimmen. Kurz: Ja-Sager kommen weiter als Rebellen. Mit diesem Karriere-Tipp bleibt man auf jeden Fall unter dem Radar seines Chefs. Aber möchte man das? Oder sollten diejenigen, die Karriere machen möchten, nicht positiv auffallen? Arbeitnehmer oder Praktikanten, die in jedem Meeting stillschweigend mit dem Kopf nicken und zu allem stets nur „Ja“ sagen, machen sich damit vielleicht beliebt, aber eine steile Karriere legt man so nicht hin. Vorgesetzte wollen Mitarbeiter sehen, die eigene Ideen haben und während einer Besprechung mit innovativen Vorschlägen glänzen.

Die sich aktiv für den Unternehmenserfolg einsetzen und mit ihrem Engagement für mehr Dynamik und Weiterentwicklungsmöglichkeiten der Firma sorgen. Ein Mitläufer zu sein ist keines Falls ein sicherer Weg, um eine erfolgreiche Karriere voranzubringen. Denn häufig stecken genau solche Mitarbeiter fest und müssen lange auf die ersehnte Beförderung warten. Wer dagegen kein Scheu davor hat, auch mal seine (professionelle) Meinung zu äußern, fällt dem Chef auf. Bei Gesprächen über eine mögliche Beförderung wird man solche Mitarbeiter bestimmt nicht vergessen. Vergiss also den Karriere-Tipp, dass Ja-Sager es im Berufsleben leichter haben.

3. Karriere-Mythos: Auslandserfahrung macht erfolgreich

Der dritte Karriere-Mythos bezieht sich auf die immer wichtiger werdende Auslandserfahrung. Natürlich sind Fremdsprachenkenntnisse und interkulturelle Kompetenz wichtige Qualifikationen, die bei Arbeitgebern gern gesehen sind. Doch muss jeder Arbeitnehmer, der die Karriereleiter erklimmen möchte wirklich eine gewisse Zeit in seiner beruflichen Laufbahn im Ausland verbringen?

Einige Karriere-Ratgeber sagen dazu ganz klar: Ja! Doch neueste Studien belegen jetzt: Mitarbeiter, die längere Zeit an einem Firmenstandort im Ausland eingesetzt waren, wurden nach ihrer Rückkehr nur selten befördert. In den meisten Fällen mussten diese sogar niedrigere Positionen besetzen, als sie vor der Zeit im Ausland innehatten.

Ein weiterer Minuspunkt: Neue Strukturen im Unternehmen machen es den Rückkehrern nicht leicht, sich wieder einzugliedern. Das sorgsam aufgebaute Netzwerk an Business-Kontakten hat sich ebenfalls stark minimiert, da man diese aus der Entfernung kaum pflegen kann. Die beste Zeit, um Auslandserfahrungen zu sammeln, ist während oder direkt nach dem Studium. Der Karriere-Tipp, Einsätze im Ausland würden zu mehr Erfolg im Berufsleben führen, hat sich in der Praxis nicht bewahrheitet.

4. Karriere-Mythos: Je mehr du arbeitest, desto mehr Erfolg wirst du haben

Besonders hartnäckig hält sich der Karriere-Mythos, man würde für besonders viel und harte Arbeit belohnt werden. Dies kann zwar zutreffen, doch ist dies eher die Ausnahme. Wer immer als Erste/r im Büro erscheint und als Letzte/r wieder geht, vermittelt unter Umständen den Eindruck, ein langsamer Arbeitnehmer zu sein, der sein Arbeitspensum nicht in der vorgegebenen Arbeitszeit bewältigen kann. Oder man wird schnell zum „Mädchen für Alles“ abgestempelt.

Du solltest dir nicht die Arbeit deiner Kollegen auf den Tisch legen lassen, wenn du selbst viel zu tun hast. Denn wenn du unter Zeitdruck gerätst können sich Fehler einschleichen. Dieser Karriere-Tipp kann in der Praxis also ganz schön nach hinten losgehen. Wer besonders hart arbeitet, wird mit der Zeit zum Experten auf seinem Gebiet, dass stimmt. Doch ein Erfolgsgarant ist diese Tipp leider nicht.

5. Karriere-Mythos: Der Dress-Code ist entscheidend

Kleider machen Leute. Stimmt. Aber gilt ein strenger Dress-Code bereits für Berufseinsteiger? Welche Kompetenzen möchte man mit seiner Kleidung vermitteln? In Karriere-Ratgebern heißt es oft, dass Arbeitnehmer, die auf eine Beförderung in eine Führungsposition hoffen, sich auch wie eine Führungskraft kleiden sollten. So vermitteln sie die nötige Kompetenz und wirken seriöser. Aber wenn du als Praktikant oder Berufsanfänger im edlen Business-Dress im Büro erscheinst, kann das im schlimmsten Fall an deiner Glaubwürdigkeit zweifeln lassen.

Natürlich muss man sich im Job angemessen kleiden, doch sollte man dies zu Anfang seiner Karriere nicht übertreiben. Diesen Karriere-Mythos kannst du als junger Berufseinsteiger erstmal getrost vergessen. Über deinen Erfolg entscheiden am Anfang deiner beruflichen Laufbahn nämlich ganz andere Sachen.
Von Jana Fast

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